2. Trauner Kronenfest |
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"Ich schaue von hier hinab, dabei sehe ich um diesen Baum eine Kette von prachtvollen Perlen. Die Perlen, die sich aus dieser Kette entfernen, gehen verloren. Sie kehren selten zurück........" Diese Worte aus der 25 Jahre alten Kronenpredigt eines siebenbürgischen Altknechtes wählte Günther Hihn, Altknecht der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in der Bundesrepublik Deutschland, als Motto für seine Rede beim Heimattag 2001 in Dinkelsbühl. Er sagte weiter: "Die Kette um die Kronenbäume in Siebenbürgen sind alle vor einem Jahrzehnt gerissen. Die Perlen haben sich über ganz Deutschland zerstreut.......Heute schau ICH von hier hinab. Um diesen Kronenbaum sehe ich wieder eine Kette aus einer Vielfalt prachtvoller und noch bunterer Perlen......" Der uns unbekannte Altknecht sowie Günther Hihn verzeihen uns sicherlich, dass wir sie zitieren und dass auch unser Trauner Jugendobmann Markus diese Worte seiner Kronenpredigt 2002 voranstellte: Zu schön und zu zeitlos sind diese Worte, um vergessen zu werden. Jeder, der früher als Kind oder als Jugendlicher selbst die Kronenfeste miterlebt hat und weiß, wie es jetzt damit bestellt ist, der versteht auch Schmerz und Wehmut der wenigen in Siebenbürgen verbliebenen Sachsen. Die Ausgewanderten hingegen tragen ebenso noch die Sehnsucht nach der Heimat mit sich herum und veranstalten auch im Westen ihre Kronenfeste. In Traun findet sich eine der verlorenen Perlen - vielleicht ist es eine der kleineren. Dennoch fand am 9. Juni 2002 bereits zum zweiten Mal ein Kronenfest statt. Begonnen wurde der Tag mit einem gemeinsamen Aufmarsch von Musik und Trachtenträgern vom Friedhof durch die Siedlung bis zum "Siebenbürgerplatz", der voriges Jahr feierlich eingeweiht worden war (Wir berichteten darüber). Danach folgte der Gottesdienst im Festzelt. Pfarrer Gerhard Grager hatte den ihn gemeinsam mit Gemeindegliedern, dem Chor, Trachtenkapelle und Jugend familienfreundlich und feierlich zugleich gestaltet und ging auch in seiner Festpredigt auf diesen alten und schönen Brauch des Kronenfestes ein. Dem Gottesdienst folgten die Begrüßungen und Ansprachen von Dietmar Lindert und Martin Duka. Die zahlreich erschienenen Ehrengäste fühlten sich bei uns wieder sichtlich wohl. Das Kronenfest soll sich als echtes Brauchtumsfest in Traun etablieren und Nachbarschaft Jugend und Trachenkapelle möglichst wenig Arbeit damit aufbürden. Im Gegenteil, wir wollen alle an diesem Tag frühmorgens die Tracht anziehen, an Aufmarsch, Gottesdienst und dem folgenden eigentlichen Kronenfest teilnehmen - kurzum, einen schönen Tag in der Gemeinschaft erleben und nicht dauernd arbeiten wie bei den anderen Festen. Deshalb wurde die Bewirtung vergeben - den Ausschank übernahm ein befreundeter Wirt, der Nachbarschaftsmitglied ist, die Bewirtung mit Siebenbürgerwurst und Holzfleisch ein befreundeter Fischerverein. So konnten wir uns einfach wie die anderen Gäste hinsetzen und hatten Zeit für ein in Ruhe eingenommenes Mittagessen, während die Trachtenkapelle zum Frühschoppen aufspielte. Die Jugend gratulierte zum heutigen Vatertag mit kleinen, liebevoll geschmückten Bierflaschen - eine nette Geste, die nicht nur den Vätern gefiel. Ab 13 Uhr waren als Nachspeise Kaffee, Kuchen sowie von der Jugend am Vortag zubereitete Fruchtspieße erhältlich. Besonders letztere waren als kühler Genuß aus dem Kühlschrank angesichts der drückenden Hitze rasch ausverkauft. Nach dem Essen boten zwei Trachtenpärchen wieder Hanklich und ein Stamperl Schnaps gegen einen kleinen Unkostenbeitrag an. Denn beim Kronenfest haben wir mit dem geliehenen Zelt, der Musik und natürlich dem unbedingt notwendigen WC-Wagen nur Ausgaben, aber keine Einnahmen außer jenen von Kaffee, Kuchen und Fruchtspießen! Dank unserer spendierfreudigen Gäste wird sich der Verlust jedoch in Grenzen halten. Unser Leitsatz wird auch für alle kommenden Kronenfeste derselbe sein: Dieses Fest soll sich als echtes Brauchtum in Traun etablieren und das lassen wir uns gerne etwas kosten! Gegen 14 Uhr fand der Höhepunkt des Tages statt: Die Jugend marschierte zum Kronenfest auf und tanzte auf dem Platz vor dem Kronenbaum. Altknecht Markus Auinger bestieg den Baum und hielt unterhalb der am Donnerstag von der Jugend gebundenen Krone seine eindrucksvolle Rede. Wie eingangs erwähnt, zitierte er dabei auch den Ausspruch mit den verlorenen Perlen - was nicht nur den älteren Anwesenden, sondern auch vielen jüngeren die eine oder andere Träne entlockte oder wenigstens das Herz etwas schwer werden ließ. Außerdem verabschiedete die Jugend nun offiziell die bisherige Vortänzerin Astrid Rabhansl, die in den letzten beiden Jahren viele ältere Tänze neu belebt hatte: Zum heutigen Festtage hatte sie beispielsweise die "Lange Reihe" einstudiert, einen sehr schönen aber eher schwierig aufzuführenden daher und jahrelang nicht mehr öffentlich gezeigten Tanz. Astrid geht studienhalber nach Schweden und übergibt ihr Amt an Dieter Hofmann. Sie wird uns fehlen! Zum Abschluß zeigten die Jugend und die "Alte Jugend" gemeinsam noch zwei Tänze, ehe man verschnaufen konnte, denn es wurde immer wärmer und schwüler. Mittlerweile hatte sich das allseits beliebte "Duo Lamb" auf der Bühne im Zelt (die vormittags als Altar gedient hatte) auf seinen Auftritt vorbereitet und spielte nun zum Tanz auf. Wegen der großen Hitze zogen die Leute es jedoch vor, einfach nur dazusitzen und der Musik zu lauschen - Tanzen wäre mörderisch gewesen! Von einer Minute auf die andere kam am Nachmittag der große Umschwung - das Zelt schützte nun nicht mehr vor der Sonne, sondern vor dem sintflutähnlichen Regen. Unsere Gäste hielten uns dennoch die Treue: Kein Wunder, mit einem Getränk und den Klängen vom Duo Lamb ließ es sich im Trockenen schon aushalten. Außerdem hatte kaum jemand einen Regenschirm mit - wer flüchten wollte, wäre nach wenigen Sekunden total durchnäßt gewesen! Nach über einer Stunde (oder waren es zwei?) wurde das Wetter wieder besser - und auch angenehm kühl, woraufhin plötzlich die verloren geglaubte Lust zu tanzen einsetzte! So fand unser 2. Trauner Kronenfest einen heiteren Ausklang. Wir danken den Familien May (für die Benützunge des Garage), der Fa. Weitmann für den Blumenschmuck, dem Pub Melon und dem "ASKÖ Fischerklub Wikinger Stadt Traun" für die Bewirtung sowie der Stadt Traun und ihrem Wirtschaftshof für die stets gewährte Unterstützung. Besonderes Lob gilt nicht nur der Nachbarschaft sowie der Musik und der Jugend für die zahllosen sichtbaren (Zeltaufbau, Bänke aufstellen, Reinigung des Platzes,...) und nicht gleich sichtbaren Tätigkeiten, sondern nochmals vor allen anderen der Siebenbürger Jugend Traun. Die Kronenfeste waren schon in der alten Heimat stets von der Jugend vorbereitet und durchgeführt worden. Auch hier in Traun ist es vor allem ihr zu verdanken, dass dieser Tag ein besonders schöner und unvergeßlicher wurde und für die Zukunft unser auf der Einladung abgedruckter Leitsatz "Brauchtum erleben - Brauchtum erhalten" Wirklichkeit sein kann! Denn eine vermeintlich verlorene Perle wurde nicht nur wieder gefunden, sondern bekam etwas von ihrem alten Glanz zurück! |